Swing das Tanzbein

28 Mai
2014

Nach den langen, sitzend vor dem Computer verbrachten Stunden, wenn der ersehnte Feierabend vor der Tür steht, setzt man sich gern zum Ziel, das Beste aus der Freizeit zu machen. Für mich bildet das gesündeste und schönste Gegengewicht zur Arbeit im Büro die fröhliche Bewegung zur Musik, ja genau – Tanzen. Vielleicht wurde ich zum Opfer der überall in Europa herrschenden Mode oder mich hat die Sucht nach Glückshormonen ergriffen, für dessen Ausschüttung die fröhliche Rhythmen des Swing sorgen. Eins ist sicher, wenn man einmal Gefallen an Swing gefunden hat ist es schwer aufzuhören. 
Und warum überhaupt aufhören?

Swing das Tanzbein

Meine Liebe zum Swing hat sozusagen chronologisch angefangen, also mit dem emanzipierten Charleston. Und weshalb „chronologisch“? Meine Leidenschaft für das Tanzen hat sich, wie der Swing selbst, mit dem 1920 in New York durch Afroamerikaner entwickelten Charleston angefangen zu entwickeln. Dieser Tanz wurde allein getanzt und dessen Hauptmerkmal besteht in der isolierten Bewegungen von Körperteilen wie zum Beispiel X- und O-Beine. Es ist schon eine Herausforderung den Tanz ohne vorherige sportliche Einübung anzufangen, da es sich hier um Bewegungen bei 50 – 75 Takten pro Minute handelt, was als äußerst schnell gilt. Der Tanz ist schweißtreibend aber macht auch glücklich und fit. Nicht ohne Grund wirkte die Charleston-Ikone Josephine Baker schlank und sexy, die tanzende „Übung“ lässt sich leicht merken. Die Entwicklung des Tanzes wurde eng mit dem damals in allen modernen Clubs New Yorks seine Triumphe feiernden Jazz verbunden. Nach einigen Monaten mit diesem charismatischen Tanz, dessen wenige Choreografien (Shim-Sham, Big Apple, Tranky-Doo) aber vielen, faszinierenden Schritten (Shorty George, Suzy Q, Boogie drops, Spank the Baby, Apple Jacks, The Helicopter) habe ich mich beiläufig in eine Art modernen Flapper entwickelt.
Diese Tänze haben, im Zusammenspiel mit kurz geschnittenen Harren, losen, alle weiblichen Kurven versteckenden Kleidern und dick aufgetragenem Lippenstift, die Tanzflächen des New Yorks der 20er Jahre erobert.

Das einzige, was man bei Charleston vermissen kann, ist der Kontakt mit einem Tanzpartner, da es sich bei Charleston vor allem um Choreografien handelt die, obwohl bevorzugt mit mehreren Teilnehmern getanzt, jedoch nur selten mehr Interaktion als ein kurzes Hände halten oder an den Schultern halten zwischen diesen vorsehen. Deswegen habe ich mich als nächstes für den Lindy Hop entschieden, dem Swing-Tanz, der viel aus Charleston schöpft, jedoch mit einem Partner getanzt wird. Dieser Tanz ermöglicht viel Spontanität und bietet unerschöpfliche Kreativität. Das Tanz selbst ist kurz nach dem Charleston entstanden und wurde vor allem zu den damals unglaublich populären Big Bands getanzt. Lindy Hop erlebte seine Blütezeit in 1930er und 1940er Jahren. Während dieser Zeitspanne entwickelten sich viele Variationen, aus denen sich wiederum Tänze wie Jitterbug, Boogie Woogie und Rock’n’Roll zu entwickelten. Mit dem Einzug des moderneren Rock’n’Roll verschwand Lindy Hop langsam von den Tanzflächen, um nach einigen Jahren der Swing-Flaute in den 1980ern wieder aus dem Schatten zu treten und bis heute beliebt zu bleiben. Lindy Hop charakterisieren raumgreifende und vor allem schnelle Bewegungen, die oft mit akrobatischen Einlagen verbunden werden. Der Tanz präsentiert sich, sogar bei Anfängern, schon nach nach einigen Unterrichtsstunden ziemlich spektakulär und lässt viel Raum für Improvisation. Vielleicht ist auch deshalb ist in der Ära des Individualismus die Mode auf Swing, vor allem in Großstädten, so weit verbreitet. Mit dem Tanzen schließt man sich automatisch der Swing-Community an, da die Swing-Liebhaber sich immer wieder auf verschiedenen Swingveranstaltungen treffen, wo man schwatzen und sich über den Schritte austauschen kann. Tanz bietet neben dem Vergnügen der Bewegung auch viel Gesprächsstoff.

Heutzutage kann man ruhig behaupten dass „Berlin swingt“. Jeden Tag finden hier zahlreiche Swing-Events (siehe www.swinginberlin.de) statt, bei denen man sich entsprechend der Swing Mode anziehen und das Tanzbein bis in den Morgengrauen schwingen lassen kann … aber selbst die „abgehärteten“ müssen nach 3 intensiven Tanzstunden langsam aufgeben, da man beim Swing tanzen extrem viel Energie verbraucht. Es ist also für diejenigen, die sich um ihre Figur kümmern wollen, sehr empfehlenswert, denn es eine angenehme Methode überflüssigen Kalorien abzubauen. Für diejenigen, die sich noch nie auf die Tanzfläche getraut haben, bietet Berlin zahlreiche Schulen, die mit einem breiten Angebot an verschiedenen Kursen, Workshops wie auch Tanzausflügen werben. Auch die Swing-Klubs bleiben nicht zurück und locken die Tanzsüchtigen mit kostenlosen Schnupperkursen, Workshops, Live Bands und toller Musik an.

Also nicht lange überlegen – ab auf die Tanzfläche!

Anna Jara, Webservice

Zur Einstimmung hier noch ein Video:

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